TVIU: Der TVV begann im vergangenen Herbst sein 35-jähriges Bestehen. Sicher wurde an so manchen Moment aus der Gründungszeit gedacht. Wofür stand der Verband ursprünglich – und was hat sich davon bis heute als stabil erwiesen?
Fr. Holzhüter: Der TVV wurde am 22.10.1990 unter dem Namen Regionaler Fremdenverkehrsverband Vorpommern gegründet und stand ursprünglich dafür, Vorpommern als gesamte Reiseregion sichtbar zu machen, Kräfte zu bündeln und gemeinsam die touristische Entwicklung voranzutreiben. Diese Rolle als regionale Klammer, als Partner und Impulsgeber – etwa über zahlreiche Projekte seit Mitte der 1990er Jahre – ist bis heute stabil geblieben. Unverändert ist auch das Verständnis, dass wir nur im Miteinander von Kommunen, Unternehmen, Landkreisen, Politik und weiteren Partnern erfolgreich sein können.
TVIU: Woran zeigt sich im Alltag am deutlichsten, dass sich Aufgaben von Verbänden, unter anderem hin zu Koordination, Interessenvertretung, Projektsteuerung und Vermittlung zwischen sehr unterschiedlichen Akteuren in den letzten Jahren verschoben haben?
Fr. Holzhüter: Im Alltag zeigt sich die Verschiebung der Aufgaben vor allem daran, dass wir viel weniger klassische „Werbeorganisation“ und viel stärker Koordinator, Moderator und Interessenvertreter geworden sind. Wir steuern komplexe Projekte, bringen sehr unterschiedliche Akteure an einen Tisch, vermitteln in Spannungsfeldern – zum Beispiel zwischen Tourismus und Naturschutz – und sind zugleich gefragter Ansprechpartner für Politik und Verwaltung. Ein großer Teil unserer Arbeit besteht heute darin, thematische Projekte umzusetzen, die der Regionalentwicklung und -vermarktung dienen, Positionen aufzunehmen und gemeinsame Lösungswege für die Region zu entwickeln.
TVIU: Seit wann sind Sie Geschäftsführerin und welche drei Themen oder Ereignisse haben Ihre Zeit bisher am stärksten geprägt? Was hat sich dadurch gegebenenfalls an Ihrer Arbeit verändert?
Fr. Holzhüter: Ich bin seit November 2009 Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Vorpommern. Geprägt haben mich besonders der Ausbau unserer projektorientierten Arbeit mit vielen geförderten Entwicklungsprojekten, die für uns einfach essentiell sind; die Bewältigung von Krisen wie der Corona-Pandemie und wiederkehrenden Finanzunsicherheiten sowie der Gewinn des Bundeswettbewerbes für Nachhaltige Tourismusdestinationen im Jahr 2023 in der Kategorie Starter, der gezeigt hat, was wir zusammen als Region schaffen können und zugleich eine Wertschätzung für alle beteiligten Akteure für ihre geleistete Arbeit war und ist. Heute ist es zunehmend wichtig strategische Steuerung, Netzwerkmanagement, Lobbyarbeit und Teamführung in einem immer komplexer werdenden Umfeld zu übernehmen.
TVIU: Mit Blick in die kommenden Jahre – welche Themen bringen Vorpommern Ihrer Ansicht nach wirklich nach vorn – und worauf legt der TVV seinen Fokus?
In den kommenden Jahren bringen vor allem ein naturverträglicher Qualitätstourismus, eine konsequente Digitalisierung, eine bessere Fachkräftesicherung und die Stärkung der Lebensqualität vor Ort Vorpommern wirklich nach vorn. Der Tourismusverband Vorpommern legt seinen Fokus darauf, die Stärken der Region – Natur, Aktivangebote, Kultur und Weite – klar zu profilieren, digitale Strukturen und Daten nutzbar zu machen, Akzeptanz und Beteiligung der Bevölkerung zu fördern und die Zusammenarbeit in der Region sowie mit unseren Nachbarn, insbesondere auch auf der Insel Usedom, weiter zu vertiefen.
Ich kann sagen, ich arbeite seit 17 Jahren sehr gern im Tourismusverband. Als ich die Geschäftsführung des Verbandes übernehmen durfte, war mir bewusst, welch große Verantwortung, aber auch welch großes Potenzial in dieser Aufgabe steckt. Vorpommern ist eine Region voller einzigartiger Landschaften, gewachsener Traditionen und engagierter Menschen.
TVIU: Vielen Dank Fr. Holzhüter. Auf weiterhin gute Zusammenarbeit.