Lieber Herr Piel, wir freuen uns, Sie nicht nur als Neu-Usedomer, sondern auch als neues Mitglied beim TVIU begrüßen zu dürfen.
TVIU: Herr Piel, Sie haben sich Ückeritz als neue Heimat ausgesucht. Was hat Sie an die Ostsee und ganz konkret nach Usedom geführt?
Hr. Piel: Usedom war für uns nie ein fremder Ort. Meine Familie und ich sind seit rund 25 Jahren mit der Insel verbunden und waren mindestens viermal im Jahr hier. Seit 2020 bin ich regelmäßig zwischen Erfurt und Ückeritz gependelt, 2025 haben wir uns dann endgültig für die Insel entschieden.
Was uns hält, sind die Schönheit der Insel, die Ruhe und die Weite zwischen Achterwasser und Ostsee. Usedom ist für mich ein Ort, an dem man nicht nur gut Urlaub machen, sondern vor allem gut leben kann. Es war eine Entscheidung, die wir bewusst gemeinsam als Familie und für die Familie getroffen haben.
TVIU: Mit ENVision Consulting unterstützen Sie Unternehmen unter anderem bei Förderfragen und der strategischen Entwicklung. Wofür steht Ihr Unternehmen und mit welchen Themen kommen Betriebe typischerweise auf Sie zu?
Hr. Piel: Unser Leitgedanke lautet „Mehrwert schaffen, Freiheit erleben“. Wir verstehen uns als Möglichmacher. Wir wollen Betriebe zukunftsfähig aufstellen, und das gelingt vor allem über die Menschen, die dort arbeiten. Die Qualifizierung von Mitarbeitern steht deshalb bei uns im Mittelpunkt.
Viele Unternehmen wissen, dass sich ihr Team weiterentwickeln muss, ihnen fehlen aber Zeit, Geld oder der Überblick. Dabei gibt es Fördermittel aus ganz unterschiedlichen Quellen, und oft wissen Betriebe gar nicht, was sie alles nutzen können. Bei geförderten Weiterbildungen werden die Lehrgangskosten bis zu 100 Prozent übernommen, dazu kommen Zuschüsse zum Arbeitsentgelt von bis zu 75 Prozent. Das senkt die Personalkosten spürbar, und die eingesparten Mittel stehen für andere Investitionen zur Verfügung.
Wir begleiten die Unternehmen von A bis Z, von der ersten Einschätzung bis zur Abrechnung, und zwar menschlich, innovativ und lösungsorientiert. Aus 20 Jahren Berufserfahrung weiß ich, dass gerade die Bürokratie viele Betriebe abschreckt. Genau diese Hürde nehmen wir ihnen ab.
TVIU: Gerade in der Tourismuswirtschaft sind Personalentwicklung, Qualifizierung von Quereinsteigern und Fachkräftesicherung zentrale Themen. Welche Fördermöglichkeiten werden aus Ihrer Sicht von Unternehmen bislang noch zu wenig genutzt?
Hr. Piel: Ganz klar die Qualifizierung am Arbeitsplatz, von der Ausbildung bis zur Weiterbildung langjähriger Mitarbeiter. Gerade im Tourismus arbeiten viele engagierte Quereinsteiger, die seit Jahren hervorragende Arbeit leisten, aber keinen Berufsabschluss haben. Sie berufsbegleitend zur Fachkraft zu entwickeln oder mit passenden Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen, sichert dem Betrieb Fachkräfte aus den eigenen Reihen und stärkt die Bindung ans Haus.
Zu wenig genutzt werden auch Coachings, die den Wandel begleiten. Digitalisierung und ein verändertes Arbeitsumfeld verändern Abläufe und Führung grundlegend, und auch dafür gibt es Unterstützung. Auf Usedom liegt zudem ein Gedanke nahe: Die ruhigeren Monate außerhalb der Saison eignen sich ideal für Qualifizierung. So wird aus der Nebensaison eine Lernsaison.
TVIU: Wenn Sie auf die Tourismuswirtschaft auf Usedom schauen: Wo sehen Sie die größten Ansatzpunkte, um Betriebe bei Personalentwicklung, Fachkräftesicherung und strategischer Unternehmensentwicklung nachhaltig zu unterstützen?
Hr. Piel: Der Wandel in der Wirtschaft und die Herausforderungen in der Personalpolitik sprengen oft den zeitlichen und organisatorischen Rahmen, den ein Unternehmen neben dem Tagesgeschäft leisten kann. Wer in der Saison jeden Tag für seine Gäste da ist, hat wenig Luft für Förderanträge oder langfristige Personalplanung. Hier setzen wir an und entlasten die Betriebe.
Ebenso wichtig ist der Weitblick. Personalentwicklung sollte nicht erst beginnen, wenn eine Stelle unbesetzt ist, sondern den ganzen Weg im Blick haben, vom Praktikanten bis zur Nachfolge von Schlüsselpositionen. Gerade die Nachfolgefrage wird viele inhabergeführte Betriebe auf der Insel in den nächsten Jahren beschäftigen.
Am Ende ist die Qualität eines Hauses immer die Qualität seiner Mitarbeiter. Wenn Menschen auf Usedom eine echte Perspektive bekommen, bleiben sie auch. Dazu möchte ich als neuer Insulaner gern meinen Beitrag leisten.
Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und weiterhin alles Gute hier auf der Insel!