Im Interview mit der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH

Wir begrüßen die VVG als neues Mitglied im Verband und danken für dieses Interview.

TVIU: Wie wird das Busangebot der VVG auf Usedom Ihrer Ansicht nach bislang tatsächlich genutzt – Einheimische (Arbeitswege, Schulwege), Gäste/Freizeitfahrten etc. ?

VVG: Das Busangebot der VVG auf Usedom wird von unterschiedlichen Nutzergruppen in verschiedener Weise in Anspruch genommen. Einheimische nutzen den öffentlichen Nahverkehr vor allem für alltägliche Wege – insbesondere im Schülerverkehr sowie für Pendelfahrten zu Arbeitsplätzen auf der Insel und in Richtung Festland. Diese Verkehre bilden weiterhin das stabile Fundament der Nachfrage. Touristische Gäste greifen vor allem in den Sommermonaten sowie während der Ferienzeiten verstärkt auf das Angebot zurück. Dabei stehen Freizeitfahrten, Ausflüge zwischen den Kaiserbädern, ins Inselinnere sowie zu touristischen Zielen im Vordergrund. Insgesamt ist eine deutliche Saisonalität erkennbar: Während in den Wintermonaten vor allem Einheimische das Angebot nutzen, steigt die Nachfrage in der Hauptsaison durch touristischen Verkehr deutlich an.

TVIU: An welchen Stellen zeigt sich aus Sicht der VVG derzeit der größte Handlungsbedarf im ÖPNV auf Usedom: bei Taktung, Umsteigemöglichkeiten, Erreichbarkeit kleinerer Ortsteile, Abendverkehren oder tariflicher Verständlichkeit?

VVG: Aus Sicht der VVG besteht der derzeit größte Handlungsbedarf in folgenden Bereichen:

  • Taktung und Verfügbarkeit: Insbesondere in stark nachgefragten Zeiten – etwa in der touristischen Hochsaison oder bei Großveranstaltungen – wird ein dichteres Fahrtenangebot benötigt.
  • Abend- und Spätverkehre: Sowohl Einheimische als auch Gäste wünschen sich erweiterte Bedienzeiten in den Abendstunden, um nach Veranstaltungen, Restaurantbesuchen oder Freizeitaktivitäten zuverlässig und sicher in ihre Wohnorte beziehungsweise Unterkünfte zurückkehren zu können.
  • Umsteigemöglichkeiten und Vernetzung: Die Abstimmung zwischen Bus- und Bahnverkehr bietet weiterhin Optimierungspotenzial, insbesondere mit Blick auf kürzere Wartezeiten und verlässliche Anschlüsse.
  • Tariftransparenz: Für Gelegenheitsfahrer und Touristen ist eine möglichst einfache und verständliche Tarifstruktur von großer Bedeutung.

Die Anbindung ländlicher und abgelegener Ortsteile hat sich hingegen durch den Einsatz flexibler Bedienformen wie dem ILSE-Bus bereits spürbar verbessert.

TVIU: Welche Erfahrungen wurden in den ersten Wochen mit dem ILSE-Bus gemacht, insbesondere im Hinblick auf Akzeptanz, Buchungsverhalten und die Frage, ob digitale Angebote für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zugänglich sind?

VVG: Die bisherigen Erfahrungen mit dem ILSE-Bus fallen insgesamt positiv aus. Das Angebot wird zunehmend wahrgenommen und insbesondere in Regionen mit bislang eingeschränkter Linienanbindung gut angenommen.

Das digitale Buchungssystem wird von vielen Nutzern als komfortabel empfunden, allerdings zeigen sich Unterschiede im Nutzungsverhalten: Während jüngere und technikaffine Fahrgäste die App-basierte Buchung selbstverständlich nutzen, besteht bei älteren Menschen teilweise noch Unterstützungsbedarf.

Vor diesem Hintergrund bleibt es wichtig, ergänzend zur digitalen Buchung auch alternative Zugangsmöglichkeiten – etwa über telefonische Reservierung – anzubieten. Insgesamt bestätigt sich, dass flexible Bedienformen ein wesentlicher Baustein für einen zukunftsfähigen ÖPNV im ländlichen Raum sind.

TVIU: Welche konkreten Weiterentwicklungen sind für Usedom in den kommenden Monaten oder Jahren vorgesehen – etwa bei Rufbus, Liniennetz, Anbindung der Kaiserbäder oder bei der besseren Verzahnung mit Bahn und touristischer Mobilität?

VVG: Für die kommenden Monate und Jahre sind mehrere Weiterentwicklungen vorgesehen:

  • Weiterentwicklung touristischer Mobilität: Die Verknüpfung von ÖPNV-Angeboten mit touristischen Leistungen – beispielsweise über Gästekarten – wird weiter ausgebaut.
  • Ausbau flexibler Angebote: Rufbuslösungen wie der ILSE-Bus sollen weiterentwickelt und perspektivisch ausgebaut werden.
  • Optimierung des Liniennetzes: Ziel ist eine bessere Abstimmung zwischen festen Linienverkehren und flexiblen Angeboten, um sowohl Effizienz als auch Flächenabdeckung weiter zu verbessern.
  • Stärkung der Anbindung der Kaiserbäder: Die stark frequentierten touristischen Zentren sollen weiterhin eng getaktet und attraktiv angebunden bleiben.
  • Bessere Verzahnung mit der Bahn: Die Anschlüsse an den Regionalverkehr sollen weiter optimiert werden, um durchgängige und komfortable Reiseketten zu ermöglichen.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Wir wünschen der VVG weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Vorhaben. Allzeit gute Fahrt.