TVIU: Lieber Herr Rausch, Sie sind im vergangenen Jahr wieder auf die Insel Usedom zurückgekehrt. Was hat Sie persönlich und beruflich auf die Insel zurückgeführt – und wie nehmen Sie den Tourismusstandort heute wahr?
Hr. Rausch: Die Rückkehr nach Usedom war für mich zuerst eine familiäre als auch eine berufliche Entscheidung. Die Insel hat eine besondere Lebensqualität und gleichzeitig großes touristisches Potenzial. Nach einigen Jahren außerhalb hat mich gereizt, wieder dort tätig zu sein, wo Tourismus, Natur und regionale Entwicklung so eng miteinander verbunden sind.
Beruflich sehe ich Usedom heute als einen etablierten Standort, aber zugleich eine Destination im Wandel. Gäste erwarten zunehmend Qualität, Nachhaltigkeit und authentische Angebote – und genau darin liegen große Chancen für die Insel und die Kaiserbäder. Gleichzeitig ist es wichtig, die Balance zwischen touristischer Entwicklung und den Interessen der Menschen vor Ort zu bewahren. Insgesamt nehme ich wahr, dass Usedom sich modern weiterentwickelt, ohne seinen besonderen Charakter zu verlieren.
TVIU: Beim letzten Mitgliederfrühstück stand die berufliche Orientierung junger Menschen im Mittelpunkt. Welche Eindrücke haben Sie aus dem Austausch mitgenommen – und wo sehen Sie Chancen, Jugendliche stärker für eine Ausbildung im Tourismus zu begeistern?
Hr. Rausch: Der Austausch beim Mitgliederfrühstück hat mich darin bestätigt, dass junge Menschen durchaus Interesse an abwechslungsreichen und sinnstiftenden Berufen haben, gleichzeitig aber oft ein unvollständiges Bild vom Tourismus besitzen. Vielen ist gar nicht bewusst, wie vielfältig die Branche heute aufgestellt ist. Von Hotellerie und Gastronomie über Eventmanagement bis hin zu Marketing, Digitalisierung oder nachhaltiger Destinationsentwicklung.
Besonders wichtig fand ich den Ansatz, dass Jugendliche frühzeitig praktische Einblicke brauchen. Dort, wo Unternehmen authentisch zeigen, welche Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten und auch internationale Chancen der Tourismus bietet, entsteht echtes Interesse. Entscheidend ist dabei, jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und die Berufsbilder sowie Zukunftsperspektiven aufzuzeigen.
Ich sehe große Chancen darin, Schulen, Betriebe und touristische Akteure noch enger miteinander zu vernetzen. Der Tourismus ist eine spannende und lebendige Branche mit vielen Möglichkeiten, das müssen wir stärker sichtbar machen.
TVIU: Das A-ROSA Strandidyll Heringsdorf beteiligt sich gemeinsam mit fünf weiteren Hotels am „Walk of Talents“. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, Nachwuchsförderung nicht nur einzelbetrieblich, sondern gemeinsam als Branche und Standort zu denken?
Hr. Rausch: Nachwuchsförderung ist heute eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam erfolgreich gestalten können. Junge Menschen entscheiden sich nicht allein für einen einzelnen Betrieb, sondern oft für eine Branche, ein Arbeitsumfeld und auch für eine Region. Deshalb ist es wichtig, dass wir als touristischer Standort gemeinsam zeigen, welche Möglichkeiten und Perspektiven Usedom bietet.
Initiativen wie der ‚Walk of Talents‘ schaffen dabei eine größere Sichtbarkeit und vermitteln Jugendlichen ein realistisches und zugleich attraktives Bild unserer Branche. Wenn mehrere Hotels und Betriebe zusammenarbeiten, entsteht außerdem ein stärkeres Netzwerk, von dem letztlich alle profitieren – die Unternehmen ebenso wie die Auszubildenden.
Aus meiner Sicht sendet gemeinsames Engagement auch ein wichtiges Signal: Wir übernehmen Verantwortung für die Zukunft unserer Branche und investieren bewusst in die nächste Generation. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist dieses Miteinander wichtiger denn je.
Doch nicht nur die Nachwuchsförderung sollte im Fokus stehen. Ebenso wichtig ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung unserer Fachkräfte. Gerade mit Blick auf die Zukunft wird die Qualität der Häuser ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein und diese Qualität wird maßgeblich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geprägt. Gut qualifizierte, motivierte und serviceorientierte Teams sind letztlich der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg in unserer Brange. Meine Vision wäre ein Tourismuscampus in dem alle Formen der Aus – und Weiterbildung integriert werden.
TVIU: Neben der Nachwuchsförderung beschäftigen Sie sich auch mit Fragen der Infrastruktur und der langfristigen Sicherung der Gästezahlen auf der Insel. Welche Themen sollten aus Ihrer Sicht gemeinsam angegangen werden, damit Usedom für Gäste, Mitarbeitende und Betriebe weiterhin zukunftsfähig bleibt?
Hr. Rausch: Damit Usedom langfristig zukunftsfähig bleibt, braucht es aus meiner Sicht ein gemeinsames Verständnis dafür, dass Tourismus, Infrastruktur und Lebensqualität eng miteinander verbunden sind. Gäste erwarten heute nicht nur attraktive Hotels und gute Angebote, sondern auch eine funktionierende Mobilität, moderne digitale Infrastruktur und ein insgesamt stimmiges Urlaubserlebnis.
Gleichzeitig müssen wir die Insel auch für Mitarbeitende und Einheimische attraktiv halten. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, gute Verkehrsanbindungen und Perspektiven für qualifizierte Fachkräfte. Denn nur dort, wo Menschen gerne leben und arbeiten, kann auch nachhaltiger Tourismus erfolgreich sein.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Qualität und Weiterentwicklung des touristischen Angebots. Usedom lebt von seiner besonderen Natur, seiner Gastfreundschaft und seinem hohen Erholungswert. Diese Stärken gilt es zu bewahren und gleichzeitig moderne Erwartungen an Service, Nachhaltigkeit und Ganzjahrestourismus mitzudenken.
Entscheidend wird sein, dass Politik, Wirtschaft und touristische Akteure weiterhin eng zusammenarbeiten und gemeinsame Lösungen entwickeln. Die Herausforderungen können wir nur als Standort gemeinsam erfolgreich gestalten.
TVIU: Vielen Dank für das Interview.